Das muss mal gesagt werden!

17. September 2016/Allgemein
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Ich liebe was ich tue.

 

Ist das ungewöhnlich? Was genau tue ich eigentlich? Konflikte sind mein täglich Brot und das soll schön sein und Freude machen? Sich jeden Tag mit streitenden Menschen umgeben und ihnen beim Auseinandersetzen zu schauen?

Ja, das ist es und ich schaue nicht einfach nur zu. Ich höre genau hin, ich mache bewusst, ich stoße Entwicklungen an, ich öffne, ich bin Wegweiser und Routenführer. All das wird mir erlaubt. Erlaubt von den Menschen, die ihren Konflikt und ihre Gedanken und Sorgen dazu mit mir teilen, mit der Absicht ihren Streit los zu werden.

Bei all meinem Tun liegt mein Fokus niemals beim Streit, sondern immer bei der Lösung. Ich weiß, was Mediation bewirken kann und bin dennoch immer wieder beeindruckt, wenn sogar in schwierigen Fällen verhärtete Fronten aufzubrechen beginnen und Lösungen sichtbar werden. Wenn meine Klienten zur ersten Sitzung kommen und zum ersten Mal das Wort ergreifen, um mir ihren Konflikt zu schildern, ist die Stimmung zumeist sehr angespannt und aufgeregt. Viele Emotionen füllen den Raum. Die Streitpartner haben oft nur eine vage Vorstellung über den Ablauf der Sitzung. Viele offene Fragen stehen im Raum: „Was passiert in den nächsten 90 Minuten? Wie reagiert mein Gegenüber? Womit werde ich konfrontiert?“ Beide Seiten haben zumeist den Wunsch, dass der Streit rasch vorüber ist und sie mit einer Entscheidung in der Tasche nach Hause gehen können. Jeder ist davon überzeugt eine exakte Vorstellung von der idealen Lösung zu haben. Oft passiert es, dass Medianden einander nicht einmal anschauen wollen, wenn sie das erste Mal bei mir sind. Zu viele Verletzungen, Enttäuschungen und Streitereien sind bereits vorgefallen. Dennoch haben sie sich gemeinsam für eine Mediation entschieden. Sie wollen die Situation verändern.

„Der Streit muss ein Ende haben, weil er nicht mehr ertragbar ist!“

„Die Familie leidet bereits darunter und die Lebensqualität ist beeinträchtigt!“

„Es macht keine Freude mehr zur Arbeit zu gehen, weil nur gestritten wird!“

„Der Streit dirigiert das restliche Leben, so kann es nicht mehr weitergehen.“

Die meisten haben auch  gute und schöne Zeiten miteinander verbracht. Doch zum Zeitpunkt, in dem sie zu mir kommen, sind diese schönen Zeiten Vergangenheit und ferne Erinnerungen.

Nachdem jeder seinen Standpunkt darlegen konnte, geht es daran, den Konflikt in seine Bestandteile zu zerlegen. Gemeinsam wird festgelegt, welche Punkte zu klären sind. Einer nach dem anderen wird dann bearbeitet. Zumeist passiert dies in einer zweiten oder dritten Sitzung. Bei jeder Mediation mit einem lösenden Ausgang kommt zumindest einmal  d  e  r  Moment, in dem man das Gefühl hat, dass sich Türen öffnen, Mauern einstürzen, Steine von Herzen purzeln, Hoffnung auflebt und im Anschluss große Schritte in Richtung Ziel gemacht werden. Unter anderem sind es diese Momente, die meine Arbeit für mich so wertvoll, so wunderbar, so einzigartig machen. Es gibt für mich nichts Schöneres als zu sehen, wie Menschen, die sich mir anvertraut haben, die mir vertrauensvoll gefolgt sind, am Ende einander wieder in die Augen schauen können, Worte miteinander wechseln, ohne in Angriffs- und Verteidigungsposition zu verfallen und sich gemeinsam auf eine Lösungsoption einigen können. Es geht nicht darum(wieder) beste Freunde zu werden. Vielmehr geht es um den Erhalt oder die Wiederherstellung einer Beziehungs- und Gesprächsbasis, die es erlaubt Inhalte zu besprechen. Ein zwischenmenschliches Klima zu schaffen, das es ermöglicht dem anderen zuzuhören, ohne vorweg davon überzeugt zu sein, die Antwort bereits zu kennen.

Ich denke, fast jeder kennt die unglaubliche Erleichterung, die man in dem Moment fühlt, wenn etwas das uns schon lange Zeit gequält hat, plötzlich nicht mehr da ist. Konflikte quälen uns oft sehr lange und intensiv. Ist der Streit wirklich beigelegt, dann ist er nicht einfach verschwunden oder verdrängt, er ist aufgelöst und kommt nicht wieder.

Das hört sich wie ein Märchen an? Manchmal kommt es mir auch so vor. Mediation ist aber ein klar strukturiertes Verfahren und jenseits von Hokuspokus oder Zauberei. Für mich wirkt Mediation deshalb so stark, weil sie unsere menschlichen Bedürfnisse berücksichtigt und diesen kann sich kaum jemand entziehen. Aber nicht jede Mediation endet mit einer gütlichen Einigung. Es gibt auch Abbrüche und Fälle, in denen keine Einigung erzielt werden kann. Oft liegen die Gründe hierfür in der Motivation der Streitpartner. Möchte man nur seine eigenen Vorstellungen durchsetzen, ist Mediation nicht das richtige Verfahren.

Ich erarbeite mit meinen Klienten Lösungen, die für alle akzeptabel und gut lebbar sind. Das Ziel ist die endgültige Streitbeilegung, die eine friedvolle Zukunft ermöglicht. Ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir Menschen in einer schwierigen Lebenssituation entgegenbringen. Behutsam, respektvoll und nicht urteilend ist die Begegnung mit ihnen und ihren Themen. Meine Arbeit ist fordernd, spannend, abenteuerlich, abwechslungsreich, hin und wieder sehr anstrengend und vor allem sinnerfüllt.

Verstehen Sie und versteht Ihr warum ich liebe, was ich tue?

Ihre, Eure

Silke Pauritsch

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