Advent: Frust oder Lust?

30. November 2016/Allgemein
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Der 1.Adventsonntag ist vorbei: Frust oder Lust?

 

Die Familie saß fröhlich beisammen, beobachtete mit verträumten Blicken das Flackern der ersten Kerze am Adventskranz, knabberte an selbst gebackenen Keksen und schlürfte genussvoll Trinkschokolade und Tee. Im Hintergrund lief entspannende, stimmungsvolle Musik und untermalte die angeregten Diskussionen über die nun wohl doch stattfindende Wahl, die vielen Menschen auf der Flucht, die stressige Zeit an der Arbeit, das zu erwartende Verkehrschaos an den Samstagen vor Weihnachten und darüber, wie schnell auch das Jahr 2016 bald wieder vorübergegangen sein wird.

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Viele Familien in Österreich haben vermutlich keinen derartigen bilderbuchhaften 1. Advent verbracht. Es fehlt die Zeit und auch die Muse, um sich gemeinsam mit der Familie an einen Tisch zu setzen. Für Diskussionen fühlt man sich zu müde und außerdem enden diese doch sehr oft im Streit, der nur durch abruptes Verlassen der Gesprächsrunde zumindest eines Teilnehmers sein rasches und vorläufiges Ende findet. Also besser nicht zu viel Familie auf einen Fleck, immerhin stehen ja noch die gesamten Feiertage als Familienbelastungsprobe der extremen Art bevor. Zugegeben, diese Schilderung ist überzeichnet und etwas provokant. Tatsache ist jedoch, dass Weihnachten für viele Familien Stress und Streit bedeutet. Es ist allseits bekannt, dass sich Weihnachten neben der Urlaubszeit besonders gut eignet, um sich nachhaltig zu zanken. Der Advent bietet beides, Weihnachten und Ferien, also doppelte Gefahr.

Warum ist der Familienfrieden gerade zu Weihnachten so zerbrechlich? Will denn nicht jeder eine gute gemeinsame Zeit?

 

Man verbringt ungewöhnlich viel Zeit miteinander. Der normale Alltag wird unterbrochen, die gewohnte Ordnung des Tagesablaufs ist weg. Die Kinder sind zuhause, der Ehemann lümmelt am Sofa herum und schaut Sportsendungen, ständig ist die Küche krümelig und während sich die Mama bemüht in dieses gefühlte Chaos, die notwendige Ordnung hinein zu bringen, sich nebenbei fragend, warum nicht auch sie mal nichts tun kann, übernimmt der Ferienfrust das Kommando. Mama ist frustriert, weil niemand auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nimmt und der Rest der Familie fühlt sich durch den ungemütlichen Ordnungswahn beim Entspannen gestört.

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Oder  es gibt wider Erwarten keine gemeinsame Zeit. Die Kinder kommen nicht zu Besuch zu den Eltern. Keine Enkelkinder, die im Schnee toben und keine gemeinsamen Abende mit Keksen und Kerzenlicht. Wiederum wird Frust und Enttäuschung spürbar. Keine Zeit für einander, schnell wird unterstellt, dass eine Seite vielleicht gar kein Interesse am Zusammensein hat.

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Es gibt unterschiedliche Vorstellungen über die „Zutaten“ einer schönen Adventszeit. Darüber spricht aber meistens keiner und wenn doch, dann werden Wünsche sehr oft in Form von Vorwürfen vorgebracht. Automatisch beginnt das Gegenüber sich zu verteidigen und wird hierfür häufig einen Gegenvorwurf wählen. Im Fokus des Gesprächs sind somit gegenseitige Vorhaltungen, anstatt die gemeinsame Gestaltung der Weihnachtszeit.

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Freizeit bietet die Gelegenheit nachzudenken und einen Blick auf die aktuelle Lebenssituation zu werfen. Die Ferienzeit macht den sonst üblichen Alltagstrott bewusster spürbar. Wiederum entsteht bei manchen Frust über das tägliche „Hamsterrad“. Der Wunsch nach Veränderung wird geweckt und geballtes Familienleben kann in dieser Phase leicht als Last erlebt werden.

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Der Anspruch, dass Weihnachten das schönste Familienfest des Jahres sein muss. Diese Erwartung verursacht zwangsläufig Stress und erlaubt keine Abweichung vom Perfekten. Menschen sind aber eher selten perfekt, also gibt es auch kein perfektes Weihnachten oder vielleicht braucht es nur eine neue Definition von einem „perfekten Familienfest“.

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Stress im Beruf. Gerade die Weihnachtszeit bedeutet für viele Unternehmen eine Hochzeit für Umsatz und Produktion. Wird, die meistens ohnehin knapp kalkulierte Personalressource, dann noch durch Krankenstände zusätzlich belastet, bedeutet das oft, die volle Auslastung der physischen und psychischen Kräfte jedes einzelnen. Dermaßen erschöpft tritt man dann der Familie gegenüber und soll die Erwartungen nach entspanntem Beisammensein erfüllen. Sind beide Eltern berufstätig, fällt das gegenseitige Verständnis zwar leichter, es befinden sich aber womöglich beide Elternteile knapp an ihrer persönlichen Belastungsgrenze.

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Patchworkfamilien und besonders frisch getrennte Paare mit Kindern stehen vor besonderen Herausforderungen. Es gilt sowohl organisatorische als auch emotionale Hürden zu bewältigen, um den Kindern und sich selbst schöne Weihnachten zu ermöglichen. Je weniger vom gegenseitigen Respekt und der einmal vorhandenen Gesprächsbasis nach der Trennung übrig geblieben ist, umso schwieriger ist es aber Regelungen zu finden.  

 

Ein gutes Familienklima will gepflegt werden, so auch in dieser sensiblen Zeit.

 

Streit.Werk.Statts  6 Punkte Plan gegen Weihnachtsfrust 

 

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1. Offene Gespräche

Sprechen Sie Ihre Wünsche und Erwartungen ebenso aus, wie Ihre Belastungen und Sorgen. Legen Sie Ihre Emotionen offen. Ihr Umfeld muss wissen, was dies oder jenes für Sie bedeutet und in Ihnen auslöst. Je mehr Ihre Umwelt über Sie weiß, umso leichter kann sie mit Ihnen umgehen, Ihr Verhalten verstehen und auf Sie eingehen. Das gilt umgekehrt natürlich genauso. Fordern Sie Ihre Familienmitglieder ebenfalls auf ihre Erwartungen und Sorgen mitzuteilen.

2. Zuhören

Zumeist fällt das Zuhören besonders schwer. Bevor unser Gegenüber den Satz zu Ende gesprochen hat, glauben wir oft schon zu wissen, was es uns sagen will. Das ist bestenfalls hören, nicht zuhören. Um richtig zuhören zu können, braucht es die Bereitschaft dazu, dass alles gesagt werden darf und das Bemühen so wenig wie möglich vorweg zu bewerten. Wir bewerten Aussagen jedoch ganz automatisch. Das macht es oft schwer, das zu hören, was unser Gegenüber wirklich sagen will. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie und ihr Gesprächspartner aneinander vorbeireden,  dann wiederholen Sie das was Sie gehört haben. Ihr Gesprächspartner wird einhaken und die Aussage richtig stellen, wenn Sie sie nicht in seinem Sinn verstanden haben.

3. Strategien entwickeln

Stellen Sie sich folgende Fragen und machen Sie sich auf die Suche nach den für Sie passenden Antworten.

  • Wie kann ich den Weihnachts -Stress möglichst vermeiden bzw abbauen?
  • Was belastet mich wirklich überhaupt?
  • Kann ich dem vielleicht entgehen oder kann ich es zumindest angenehmer gestalten?
  • Wie kann ich mir Freiraum schaffen?
  • Müssen wirklich alle Punkte der ToDo Liste erfüllt werden?
  • Kann ich Punkte streichen?
  • Kann ich Aufgaben abgeben?
  • Stellen Sie sich die Frage, was passieren würde, wenn Sie XY nicht machen würden und entscheiden dann, ob Sie etwas verändern können.

Der Ausspruch „weniger ist mehr“ passt in vielen Fällen.

4. Planen Sie

Betrachten Sie Weihnachten als ein Projekt und planen es möglichst frühzeitig Punkt für Punkt. Erstellen Sie eine Liste, die Sie Punkt für Punkt abarbeiten und abhaken.

  • Was muss gemacht werden?
  • Bis wann?
  • Wer macht es?

Das schafft eine Übersicht, ist hilfreich bei der Verteilung der Aufgaben und unterstützt die gesamte Familie, um Weihnachten gut organisiert und möglichst stressfrei zu erleben.

5. Verwerfen Sie perfektionistische Erwartungen

Diese werden mit großer Sicherheit ohnehin enttäuscht werden. Warum sollten Sie sich dieser vorprogrammierten Frustration aussetzen? Familie bedeutet doch immer auch Unerwartetes, Abenteuer, Leben und selten Perfektion. Macht nicht aber auch genau das unser Leben so interessant? Warum also nach „langweiliger“ Perfektion streben?

6. Schicken Sie Streitthemen in die Ferien

Themen, die nicht schnell geklärt werden können und von denen man erwarten muss, dass sie in eine Streitdiskussion führen werden, müssen nicht vor dem Adventskranz oder unter dem Weihnachtsbaum besprochen werden. Das ist unfair all jenen Familienmitgliedern gegenüber, die nicht direkt betroffen sind und zerstört mehr, als Gespräche darüber an diesen emotionalen Tagen Positives bewirken könnten. Vereinbaren Sie einen Termin, um sich dieser Themen in Ruhe zu widmen. Stoppen Sie Gespräche, die in den Streit abzugleiten drohen schnell und konsequent und erinnern an die Vereinbarung.

Das hört sich alles ziemlich einfach und logisch an, die Umsetzung kostet oft aber viel Mühe und Disziplin. Die Anstrengung lohnt sich jedenfalls und beim nächsten Mal fällt es allen schon viel leichter! Friedliches Zusammensein kann trainiert werden! Es gibt Zeiten zum Streiten und Zeiten zum Feiern und Familie und Freundschaft zu zelebrieren. Weihnachten ist das Fest der Liebe und nicht des Zanks! Wenn sich jeder daran orientiert, steht friedvollen Tagen nichts mehr im Wege.

In diesem Sinne wundervolle Tage im Advent &

bis zum nächsten Mal in  der Streit.Werk.Statt!

X-Mas Angebot der Streit.Werk.Statt 🙂

 

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