*Weltfrauentag – 08.März.2022*

Weltfrauentag

Ich bin wütend.

 

Ich kann mich an keinen achten März erinnern, an dem ich die Notwendigkeit dieses Tages so stark gespürt habe, wie heute. In den letzten Jahren (ausgenommen in den Corona- Jahren) habe ich gemeinsam mit anderen Frauen am Weltfrauentag unser „Frausein“ gefeiert. Ich erinnere mich an wundervolle Veranstaltungen von und mit Frauen. Die Programme waren voller Leichtigkeit, Kompetenz und Wertschätzung. Es entstand eine Zusammengehörigkeit, die jede von uns mit Stärke, Stolz und großer Freude erfüllt hat. Wir hatten einfach eine gute Zeit miteinander.

2022 ist es anders. Zumindest für mich.

 

Alles hat (mindestens) zwei Seiten. Das entspricht meiner grundsätzlichen Herangehensweise an schwierige Themen. Nichts ist nur negativ, da ist auch immer eine helle und schöne Seite. Diese möchte ich hervorheben, beleuchten und in den Mittelpunkt rücken. Was nicht bedeutet, dass ich die dunkle Seite durch die positive Sichtweise „wegdenken“ will. NEIN, niemals. Der Blick auf das Schmerzvolle, Diskriminierende, Erniedrigende, Ausgrenzende, Hoffnungsnehmende, Erschütternde und Unverständliche muss ebenso sein. Allerdings habe ich bisher die Beleuchtung dieses Blickwinkels anderen überlassen.

Leichtigkeit des positiven Bildes. Mache ich es mir damit leicht und bequem? Ist der positive Blick auf die Dinge der einfachere? Lebt es sich damit leichter? Ich denke, darauf gibt es keine „Ja/ Nein“ Antwort. Es trifft beides zu. Mal ist es leichter und schöner, mal ist es anstrengender und mühevoller. Aktuell fällt mir es schwer die Situation von uns Frauen als positiv zu empfinden. Die Erkenntnis schmerzt, dass die Unterdrückung immer noch passiert. Zum Teil anders als in der Vergangenheit, aber sie ist allgegenwärtig.

Frauen haben weltweit nicht die gleichen Rechte und Chancen wie Männer.

 

Ungleicher Lohn für dieselbe Arbeitsleistung, Frauen, die von ihren Männern mit Säure übergossen werden, sexuelle Belästigung von Frauen in der Öffentlichkeit und im Alltag, Gewalt gegen Frauen, weibliche Genitalverstümmelung, Wegsperren von Frauen, Frauenhandel. Die aufgezählten Dinge sind schrecklich und diese Aufzählung ist nicht einmal vollständig. Wie kommen Männer dazu sich über Frauen zu erheben? Sich einzubilden, sie seien mehr wert? Warum haben wir das zugelassen? Warum lassen wir es immer noch zu?

Leise und bequem. Wir sind zu leise, obwohl wir schon viel lauter sind. Wir sind zu bequem, obwohl wir schon viel unbequemer sind. Tun wir uns schwer für unsere Gleichberechtigung einzustehen, weil wir Frauen sind?

Weil wir kein Interesse daran haben, Krieg zu führen? Weil wir kein Interesse daran haben, uns über andere zu erheben? Kann man uns diese Dinge (immer noch) deshalb antun? Glauben wir denen, die sagen, wir sind es nicht wert, wir können es nicht, wir sind zu schwach? Sind wir für diese Welt einfach zu wenig „Arschloch“?

 

Warum sind wir nicht konsequenter und ungeduldiger in der Forderung nach Gleichberechtigung?

Frauen-Welt.

 

Seit Putins Angriff auf die Ukraine lässt mich eine Frage nicht los: Wäre die Welt eine andere, wenn Frauen sie gestaltet hätten? Wie würde eine Frauen – Welt ausschauen? Hätten auch wir unsere Umwelt dermaßen ausgebeutet? Würden auch wir Kriege führen? Würden Frauen Söhne, Ehemänner, Brüder und Väter in den Tod schicken, um die eigene Macht zu vergrößern? Wären es Werte wie Empathie, Respekt und Fürsorge, die unseren Entscheidungen zugrunde liegen würden? Ich halte Frauen keineswegs für heilige, unfehlbare Wesen. Ganz bestimmt nicht. Auch Frauen handeln ungerecht, grausam und gierig. Aber ich spüre in mir, wie ich glauben möchte, dass wir Frauen anders agieren würden. Nicht diesem Machtstreben erliegen würden, sondern vielmehr im Miteinander eine Balance und ein Auskommen finden würden. Jedenfalls wäre es höchst an der Zeit, dass die Welt die Chance bekommt, eine Frauen-Welt zu erleben. Also eine Welt, die Frauen gestalten.

Die Männer-Welt scheitert.

 

Wie sehr, das erleben wir gerade. Im 21.Jahrhundert gibt es Krieg. Und worum geht es? Um Macht. Der russische Präsident hat entschieden, dass er mehr will. Mehr Macht. Wozu? Um noch mehr Menschen zu manipulieren, zu unterdrücken und auszunützen? Was hat ein Mensch davon und wann hat das Streben nach Macht ein Ende? Wohl erst dann, wenn ein Stärkerer diesem Streben mit Gewalt Einhalt gebietet. Die Macht soll immer mehr werden, damit sie einem niemand wegnehmen kann. Machthungrige Menschen steuert wohl der „All you can eat“ Gedanke: „Nimm alles was du kriegen kannst, auch wenn es dir dabei schlecht wird.“

Persönliche Grenzen.

 

Als Mediatorin bin ich allparteilich und es fällt mir in meiner täglichen Arbeit nicht schwer, diese Haltung einzunehmen. Das bedeutet, ich weiß, dass die Position jeder Seite ihre Berechtigung hat und ich stelle mich auf keine Seite. Niemals. Andernfalls kann ich den Dialog und Lösungsprozess nicht anleiten.

Umgelegt auf Putins Eskalation: Aus seiner Perspektive gibt es Gründe, die sein Handeln rechtfertigen. Wer ernsthaft eine Lösung verhandeln will, muss seiner Position Raum geben. Und das, obwohl er gegen allgemeine Grundsätze, ja gegen Völkerrecht, verstoßen hat und weiterhin verstößt. Ich versage in dieser Angelegenheit komplett. Dieser Mann hat in der Vergangenheit schon so viel menschliches Leid verursacht und er macht es gerade wieder. Ein Mann mit zu viel Macht. Und auch hier zeigt sich die männliche Übermacht 2022 sehr deutlich: In den unzähligen Expert:innenrunden sitzen fast ausschließlich Männer. Unter den Staatsoberhäuptern findet sich selten eine Frau. An den Verhandlungstischen sitzen Männer. Männer entscheiden wieder einmal über die Zukunft der Welt.

Und es ist ein Mann, der ein weiteres destruktives Kapitel der Menschheitsgeschichte hinzufügt.

Ich habe diese Männer – Welt so satt. 

P.S.: Ich bin mir bewusst, dass ich in diesen Zeilen keine objektive Sichtweise einnehme. Dieses Recht nehme ich mir heute. Wann, wenn nicht am Weltfrauentag!

 

 

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